Soviel Regentage




September 2001. Die Hoffnung auf herrliche Spätsommertage erfüllt sich nicht. Dafür Regen und unangenehme Kühle, Tag für Tag. Trotzdem muss ich auf der Terrasse arbeiten, unsere Aktionstage an verschiedenen Kiezfesten dulden keinen Aufschub.

Pflanzen sortieren, Töpfe säubern zum Angebot und in Paletten verstauen, gelbe Blätter oder alte Blüten entfernen — das ganze viele hundert Mal! Gut, dass der Regenmantel so dicht ist und die sitzende Beschäftigung mir immer noch Spaß macht. Wie bin ich eigentlich nach einem ganz anderen Berufsleben auf die Gärtnerei gekommen? Ich weiß es nicht; erlebe aber mit wachsender Begeisterung, wie aus Samen und Kopfstecklingen wunderbare Pflanzen heranwachsen.

Endlich stehen zehn Paletten blühender und grüner Pflanzen bereit für den nächsten Morgen. Abends am Computer noch die ganzen Schildchen ausdrucken und Namen und Pflegeanleitung jedem Töpfchen zuordnen. Geschafft! Koffer und Tasche mit Info-Material für MS-Betroffene stehen bereit, eine große Bonbontüte für Kinder, durchsichtige Planen für das Nass von oben und die grüne Standverkleidung. Mein toller Taxifahrer (den gibt‘s nur einmal), verstaut Samstag in früher Stunde alles in seinem Auto, bringt es an unseren Stand. Er muss noch einmal kommen, um die weiße Trittleiter für die Dekoration und unsere großen Informationstafeln einzuladen.

Der Regen hört nicht auf, sturmgepeitschte Wassermassen prasseln hinten, seitlich oder von vorn auf den Stand nieder. Jetzt gilt es Stand-Festigkeit zu beweisen. Alle Planen ankleben oder festbinden, die Infos mit Steinen beschweren — zu dritt klappt das prima. Wenn es diese treuen Helfer aus der Gruppe nicht gäbe! Wir freuen uns trotz widerwärtiger äußerer Umstände, dass wir uns haben. Geduld ist nötig. Erst gegen Mittag lässt der Regen nach. Trotzdem: Gespräche, Fragen von Betroffenen die vorbei kommen und reger Besitzerwechsel unserer Pflanzen machen uns Mut. So stark wurden unsere Pflanzen noch nie begehrt, wir merken es an der Spendenbüchse. Selbst unsere „Königin der Nacht” hat ihren Liebhaber gefunden.

Samstagabend alles einpacken, Sonntag früh geht es wieder von vorn los. Wir staunen über unsere Mitmenschen, die trotz nasser Witterung so gezielt unseren Stand aufsuchen; und das schützende Dach unserer Standplane ermöglicht manches zusätzliche Gespräch, je mehr es regnet. Verständnisvolle Mitarbeiter des Bezirksamtes helfen uns, wo es nötig ist, das freut uns.

Durchgefroren und müde räumen wir Sonntagabend unseren Stand — viel ist nicht übrig geblieben. Am nächsten Wochenende wird sich alles wiederholen an einem anderen Ort, hoffentlich bei mildem Herbstwetter. Trotz allem, wir haben durchgehalten, es hat sich gelohnt. Unsere Gemeinsamkeit hat uns gestärkt und wir freuen uns aufs nächste Mal.