Eine Idee am „Stammtisch”




Ist es tatsächlich schon 10 Jahre her, dass wir zur „Premiere” des Kontakt-Treffs in den „hohen Norden” unserer Stadt gefahren sind...? In noch kleinem Kreis saßen wir am runden Tisch bei Kaffee und Kuchen (reichlich, östlich, selbstgebacken) und kamen in herzlicher Atmosphäre ganz zwanglos miteinander ins Gespräch. Der Gedankenaustausch mit meiner Tischnachbarin zur Linken war eine besondere Bereicherung — auch für das BiB-Team, für das sie nach unserem Kennenlernen gewonnen werden konnte.

Ein Jahr später wurden wir zur Geburtstagsfeier eingeladen und nahmen mit vielen Stammgästen an der liebevoll geschmückten Tafel Platz. Zum festlichen Anlass bekam jeder Gast ein kleines Geschenk. Es war zu spüren, mit welcher Freude alles erdacht und vorbereitet worden ist — und wie wohl sich alle in dieser heiteren, harmonischen Sonntagsrunde fühlten.

In einem Rückblick zum zehnten Geburtstag erinnere ich mich daran, wie es denn eigentlich begonnen hatte — damals am MS-Stammtisch im „tiefen Süden” Berlins, in Zehlendorf. Friedel hatte da eine Idee....

Den so genannten MS-Stammtisch gab es seit März 1989. Es war ein vom BiB-Team initierter Gesprächskreis, zu dem sich Betroffene und auch Angehörige aus vielen Stadtteilen mehrmals im Jahr an einem Sonnabend-Nachmittag trafen und bei Kaffee und Kuchen über Themen von allgemeinem Interesse diskutierten. Neben unserer anfangs noch recht „dünnen” Publikation für MS-Betroffene, die wir seit Mai 1998 herausbrachten, wollten wir einen Erfahrungsaustausch in persönlichen Begegnungen - über die Selbsthilfegruppen hinaus — ermöglichen. Darüber berichteten wir dann im BiB.

Im März 1992 fand erstmals auch ein Neubetroffenen-Stammtisch statt, an dem über Ängste, Sorgen, alltägliche Probleme und Konflikte gesprochen wurde — in dem Gefühl, wirklich verstanden zu werden. Langjährig Betroffene waren anwesend und schilderten ihr Leben mit der Krankheit. Sie konnten behilflich sein, Unsicherheiten abzubauen und Zuversicht zu vermitteln.

Das Interesse an der Stammtisch-Teilnahme war recht groß. Einige Besucher hatten uns inzwischen wissen lassen, dass ihnen die Begegnungen mit anderen Betroffenen viel gaben und sie auch an Kontakten außerhalb der Diskussions-Runden interessiert seien. Man wollte sich gern öfter ganz zwanglos treffen, Gedanken austauschen und sich dabei gegenseitig kennen lernen, ohne einer Gruppe fest anzugehören. Auch in Zuschriften kam dieser Wunsch zum Ausdruck.

Wir überlegten, wie sich ein zweiter Treffpunkt einrichten, wie sich organisatorische Hilfe und ein geeigneter Standort finden ließe. Und da hatte plötzlich Friedel die großartige Idee, in Prenzlauer Berg einen „Kontakt-Treff” zu gründen, den sie auch betreuen wollte. Der Gemeindepastor in der Cantianstraße unterstützte ihre Initiative und stellte einen Raum zur Verfügung.

Sie fand Helfer, die Rampen bauten und andere, die ihr bei den Vorbereitungen zur Seite standen. Der Kontakt-Treff war geboren, er entwickelte sich schon bald zu einer so beliebten Einrichtung, dass die zahlreichen Stammgäste sich wohl nach jedem Treffen schon auf das nächste freuen. Den Zehlendorfer Stammtisch-Kreis gibt es schon lange nicht mehr. Dafür hat das BiB kräftig „zugenommen” — mit einem umfangreichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch, zu dem auch Friedel beiträgt. Sie gehört dem BiB-Team seit 1994 an.

Herzlichen Glückwunsch zum zehnten Geburtstag des Kontakt-Treffs!


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