Meine Beförderung



Es war wirklich eine gute Empfehlung, die ich vor Jahren bekam: der Hinweis auf einen „ganz netten” Taxifahrer. Heute tut mir mein „Transportunternehmer” mit Limousine manchmal leid, weil er nur mit Mühe all die Dinge im Auto verstauen kann, die ich gern von A nach B transportiert haben möchte. Fast alles nur für die Offentlichkeitsarbeit unserer Gruppen. Er verstaut Tischplatten, große Aufsteller für den Infostand, Schilder und anderes.

Sommer und Herbst sind für ihn eine besondere Herausforderung, da gibt es kleine und große Paletten mit Grün- und Blühpflanzen. Kleinere Kübel müssen schräg vor der hinteren Sitzbank verstaut werden und zu alles muss ja immer der Faltrolli mit. Und wenn an unserem Info-Stand die Pflanzen gut weggehen, dann kommt es schon vor, dass er noch eine zusätzliche Tour fährt, um Nachschub von meiner Terrasse zu holen. Kuchentransporte zum Landesverband haben auch schon eine besondere Note bei ihm. Auf dem Weg zum Gruppensprechertreffen muss immer einiges „Nahrhafte” aus meiner Wohnung mit, das „aber auf keinen Fall verrutschen oder umkippen” darf. Bei der Rücktour sind oft schwere Beutel mit Info-Material zum Auto zu tragen.

Die kleine Belohnung gibt‘s umgehend fahrender Weise: ein Stück Torte und manchmal auch zwei „aus der Hand”. Ja, so ein echter Taxifahrer ist eben nicht mit Geld (allein) zu bezahlen, auch wenn er Gold wert ist. Geht mir die Luft aus: erste Hilfe gibt‘s beim Taxifahrer. Regelmäßig prüft er die Bereifung von Faltrolli und Rollator und bringt dann die Reifen auf Hochspannung. Ich schätze die praktischen Tipps, den Computer betreffend, wenn es um gute Angebote für Patronen oder Papier geht. Ein Anruf mit Bitte genügt, und schon gibt‘s beim nächsten Termin einige Tüten Katzenstreu, einen Karton H-Milch, eine Palette Saft oder einen Beutel Kartoffeln. Kaum vorstellbar, dass es für meinen Fahrer etwas gibt, das er nicht beschaffen kann. Er besorgt Telefone samt Karten zum Aufladen, er erledigt Bankgeschäfte für mich, kurzum, er bringt mir Geld und gibt es auch wieder aus. Er repariert Lampen und fährt mit mir langsam um die Kurven, weil ich‘s sonst nicht vertrage. Er besorgt Blumenerde und trägt sie auf die Terrasse, um sich einige Wochen später wieder mit den Pflanzenpaletten zu plagen. Und er versucht nicht nur sein Auto zu bremsen, sondern auch mich. Letzteres ist ihm aber noch nicht gelungen.. ..zig Mal habe ich ihn schon gebeten, sich doch endlich einen Kleinbus anzuschaffen, damit er mich samt E- Rolli transportieren kann, aber an der Stelle hat er, scheint es, taube Ohren.

Trotz des unerfüllten Wunsches: ich freue mich, dass ich durch diesen umsichtigen Menschen so gut versorgt bin. Allerdings muss ich ihn mit einigen anderen aus meinem Bekanntenkreis teilen, so dass ich auch manchmal mit einem fremden Taxi fahren muss — notgedrungen. Dafür bekomme ich dann im Urlaub eine nette Karte von ihm: „... und nicht so viel fremdgehen!”


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