Und so sieht eine Mutter ihre Tochter



Ich bin die Mutter von vier Kindern und vor gut zwei Jahren teilte mir meine Tochter Veronika mit, dass sie die Krankheit MS hat.

Sie lag damals zu vielen Untersuchungen im Krankenhaus und es ging ihr zur damaligen Zeit gesundheitlich nicht gut. Trotzdem die Untersuchungen längst ergeben hatten, dass Veronika MS hat, erfuhren wir dies als Angehörige erst viele Wochen später. Veronika kam damals einfach so vorbei zum Kaffee, bewaffnet mit mehreren Büchern über die Krankheit MS und meinte, wir sollten uns darüber informieren, was sie hat. Ich war selbstverständlich etwas sprachlos und betroffen und wollte es nicht glauben.

Natürlich hatte ich längst von MS gehört, denn ab und zu kommen diese Themen in den Medien zur Sprache, auch hängen Informationsplakate darüber in der Stadt aus. Jedoch was diese Krankheit beinhaltet, welche Vorsorge zu treffen ist und inwieweit die Wissenschaft sich damit schon beschäftigt hat, war für mich völlig Neuland. Ich konnte es einfach nicht fassen!

Nachdem ich dann die Bücher über MS gelesen habe, konnte ich es immer noch nicht glauben, weil mir z.B. nicht bekannt ist, dass in unserer Familie diese Krankheit jemals vorkam. Es ist ja wohl auch so, dass früher diese Krankheit nicht unbedingt diagnostiziert wurde. Ich grübelte damals sehr darüber nach, wie so etwas überhaupt passieren konnte. Veronika selbst war seinerzeit in einem dieser Schübe und damit sehr krank. Als Mutter stellte ich erschreckt fest, dass Veronika geistig abbaute. Die Schübe sind nach meiner Meinung gefährlich, da man nicht so richtig weiß, was im Gehirn passiert. Es sind jetzt über zwei Jahre vergangen und ich als Mutter ertappe mich dabei, wenn Veronika mich besucht, sie immer genau zu beobachten. Die Schübe hat sie zwar zur Zeit nicht mehr, aber was mich stark berührt ist, dass sie sich nach meinem Empfinden verändert hat.

Ein Außenstehender kann das nicht so gut beurteilen, aber ich kenne Veronika von ganz klein an. Es ist für mich schwer, das in richtige Worte zu fassen, aber ich empfinde, dass es durch die MS zu einem Verlust an geistiger und körperlicher Substanz gekommen ist. Ich hoffe nur, dass durch die medizinische Vorsorge die Schübe unter Kontrolle geraten und nicht mehr so oft erfolgen. Im Stillen hoffe ich auf die Wissenschaft, nicht nur bei MS-Betroffenen, sondern auch bei andern schweren Krankheiten.

Anmerkung von Friedel:

Wir als Gruppe können diese mütterlichen Gedanken verstehen, sie aber nicht so nachvollziehen. Veronika ist die schnellste und aufmerksamste in der Gruppe und wir waren glücklich, dass sie zu uns in die Gruppe kam. Aber vielleicht sind wir kein richtiger Maßstab für Nicht-Betroffene, da wir alle mit der gleichen Erkrankung leben.


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