Uschi



Uschi D. wollte immer noch mal erinnert werden, wenn sie sich mit uns etwas vorgenommen hatte. So rief ich sie zu unserem gemeinsamen Frauenfrühstück oder dem Sonntagstreff stets einen Tag vorher an. Sie freute sich darüber.

Und dann war sie treu und regelmäßig zur Stelle, immer mehr als pünktlich. Manchmal, nach dem Frühstück im Gemeindehaus, blieb Uschi noch einen Nachmittag bei mir zu Hause, wir erzählten. Ihre persönlichen Umstände belasteten sie zeitweise sehr. Aber sie lebte stets mit neuer Hoffnung für die Zukunft. Sie wollte für ihren großen Sohn da sein, solange er sie brauchte.

Zu ihr gehörte ein sehr kurzer, ihr Gesicht prägender Haarschnitt und ein Auto, das ihr bereits viele Jahre ihres Lebens zu Diensten gewesen sein muss. Wenn sie parkte, ging sie auf Nummer sicher. Einige von uns erinnern sich noch an das riesige Lenkradschloß.

Über Jahre war sie uns ans Herz gewachsen in ihrer freundlichen, bescheidenen Art. Wenn es ihr irgend möglich war, kam sie zu den regelmäßigen Treffen. Wir teilten manches Erleben mit ihr, auch den Schmerz, als ihre geliebte Katze starb. Als ich sie im Mai 2000 vor dem Treffen anrief meldete sich nur der Anrufbeantworter. Kurze Zeit darauf erreichte mich eine Nachricht der Familie, die ich nicht fassen konnte. Uschi hatte - sicher in Augenblicken grenzenloser Einsamkeit und dem Gefühl der Verlassenheit — mit ihrem Auto ihre letzte Fahrt gemacht, abends — zu einem dunklen Fluss... Und keiner von uns ahnte, dass wir sie das letzte Mal gesehen hatten. Wir erinnern uns noch oft an unsere Uschi die uns fehlt.


Weiterlesen