Nach meiner Diagnose im Mai 1992 wollte ich Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen. Die Hemmschwelle war groß, aber auch der Wunsch, es zu tun. Der Landesverband der DMSG in der Knesebeckstraße gab mir nach telefonischer Anfrage die Telefonnummer von Friedel R. durch.

Gleich das erste Gespräch war sehr ermutigend. Sie bot mir an, dass wir uns beide privat zu einem Gespräch treffen könnten. Ich glaube, dass mir diese zwei Gesprächsstunden die Tür zur Selbsthilfegruppe geöffnet haben. Durch ihre mitfühlende Art, ihr Verständnis und ihre ermunternden Worte bestärkt,beschloss ich schon während dieser ersten Kontaktaufnahme, in die Selbsthilfegruppe zu gehen.

Etwa im Herbst 1992 besuchte ich die Gruppe und von da an dann regelmäßig. Die Gruppe war recht klein, und bedingt durch Krankheit fehlten oft Mitglieder. Manches Mal saßen wir nur zu zweit und überlegten angestrengt, wie wir mehr Betroffene erreichen könnten.

Also wurden Aushänge bei Neurologen und in Physiotherapie-Praxen gemacht und schon bald zeigten sich Erfolge. Wolfgang kam regelmäßig zu uns, dann Sylvia, Manfred mit Frau, Gudrun und andere. Zwischendurch kamen auch Betroffene nur ein bis zwei Mal, um Informationen und Material zu bekommen. Sie versprachen, wiederzukommen und wurden bei uns nicht mehr gesehen.

Das Jahr 1993 und das erste halbe Jahr von 1994 gingen dahin, ohne dass sich ein ganz fester Stamm gebildet hätte. Doch dann ging es aufwärts! Nur gut, dass wir nicht Mut und Vertrauen verloren hatten. Die Gruppe nahm so zu, dass wir regelmäßig etwa 10 Leute waren. In Pankow gab es zu der Zeit noch keine Selbsthilfegruppe. Friedel wohnte aber schon dort, verteilte in diesem Stadtbezirk Informationsblätter mit unserem Treff und bald stießen weitere Pankower zu uns.

Die Runde wurde zu groß. Wir überlegten, ob wir uns nach Bezirken teilen sollten. Eine kleine überschaubare Gruppe bringt viele Vorteile mit sich. Es kommt auch zu privaten Gesprächen, was für meinen Begriff ebenso wichtig ist, wie der Erfahrungsaustausch über MS.

Friedel fand bald geeignete Räume in der Amalie und wir entschlossen uns zur Aufteilung der Gruppe. Friedel übernahm Pankow und ich Prenzlauer Berg. Doch wir hatten uns alle schon so aneinander gewöhnt, dass die Pankower oft nach Prenzlauer Berg kamen und umgekehrt. So ist es bis heute geblieben.

Wer Lust, Zeit und die nötige Kraft hat, kann somit jede Woche zum Treff gehen, mal in die Cantianstraße, mal in die Amalie nach Pankow. Ende des Jahres 1999 wusste ich, dass wir nach Brandenburg ziehen werden und so mussten wir für Prenzlauer Berg einen Gruppensprecher-Nachfolger suchen. Das war nicht so leicht, schließlich hat jeder auch privat sein „Päckchen” zu tragen. Die Gruppe in der Cantianstraße sollte aber unbedingt weiter Bestand haben. So waren wir froh, als Sylvia sich dazu bereit erklärte.


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