Es war an einem unfreundlichen Mittwoch im Monat November des Jahres 1993, als ich das erste Mal Kontakt zur MS-Selbsthilfegruppe in der Cantianstraße im Prenzlauer Berg aufnahm. Den Hinweis, dass es MS-Selbsthilfegruppen in Berlin gäbe, bekam ich in der Apotheke in meinem Wohngebiet. Daraufhin erkundigte ich mich weiter und gelangte schließlich in den Berliner Landesverband in der Knesebeckstraße. Hier erhielt ich Hinweise auf Selbsthilfegruppen.

Da es zu dieser Zeit in Pankow noch keine solche Gruppe gab, wandte ich mich an die Gruppe in Prenzlauer Berg. Dort wurde ich dann freundlich mit meiner Ehefrau aufgenommen, da sie ja meine ständige Begleiterin ist. Die Gruppe bestand seinerzeit aus Friedel R., Regina S. und Wolfgang H. Renate M. war aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend.

Was mir von Anfang an dieser Gruppe gefiel, war die offene Atmosphäre. Nach dem gegenseitigen Kennenlernen einigte man sich eben auf das vertraute „Du” und tauschte gegenseitige Erfahrungen mit der Krankheit aus. Regina S. hatte es sich zur Aufgabe gemacht, uneigennützig regelmäßig einen selbst gebackenen Kuchen mitzubringen. Das Geschirr wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Für den Kaffee haben wir selbst gesorgt, jeder brachte nach Bedarf ein Päckchen mit.

So saßen wir in fröhlicher Runde einmal im Monat an einem großen runden Tisch in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in der Cantianstraße. Hier muss auch gesagt werden, dass wir überglücklich waren, einen Raum von dieser kirchlichen Gemeinde für unseren gemeinsamen Treff bekommen zu haben. Die örtlichen Gegebenheiten waren seinerzeit sehr bescheiden, wir waren aber zufrieden, eine Unterkunft zu haben. So musste man zur Verrichtung der Notdurft über den Hof gehen und im Winter war es unangenehm und kalt.

Kurze Zeit darauf erschien auch Cornelia R. in unserer Runde und in der weiteren Folge auch Gudrun H., Sylvia S., Edith K. und die Eva S. Nun haben wir uns in der Gruppe darauf verständigt, dass sich jeder an der Beschaffung von Kuchen, Kaffee und Tee beteiligt und einen Obolus nach eigenem denken in die Gemeinschaftskasse hinzu tut. Wir waren jetzt in der Lage, gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren und zu finanzieren.

Eines unserer ersten gemeinsamen Essen wurde von der Eva organisiert. Irina M. und Marie-Luise M. kamen in dieser Zeit auch zu unserer Gruppe. Das Interesse am Gruppenleben war inzwischen so stark gewachsen, dass wir beschlossen, uns zwei Mal im Monat zu treffen. In der Folgezeit hat unsere Gruppe regen Zulauf erfahren und sie platzte förmlich aus ihren Nähten. Unsere bis dahin zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten konnten wir nicht mehr nutzen, da diese abgerissen und neu gebaut wurden. So fanden wir vorübergehend in der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, im „KIK” in der Gleimstraße eine Unterkunft. Obwohl nun unsere Gruppe immer stärker und größer wurde, waren wir dankbar, dass wir hier eine Unterkunft hatten. Nach Beendigung der Baumaßnahmen in der Cantianstraße wurden uns die neu erbauten Räumlichkeiten wieder zur Verfügung gestellt.

Da nun unsere Gruppe einfach zu groß geworden war, entschieden wir uns, diese in die Prenzlauer Berger und die Pankower Gruppe zu teilen. Dem Arrangement von Friedel R. ist es zu verdanken, dass uns die Räumlichkeiten in der Breite Straße 2 in Pankow zur Verfügung gestellt wurden.

Anzumerken ist, dass zwar die beiden Gruppen offiziell geteilt wurden, aber wie ein siamesisches Zwillingspaar zusammen halten. Dieses zeigt sich darin, dass einzelne Gruppenmitglieder an beiden Gruppenveranstaltungen teilnehmen, gemeinsame Mittagessen von beiden Gruppen wahrgenommen werden und schon zum vierten Mal eine Drei-Tage-Fahrt nach Trebel unternommen wird.

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