10-jähriges Jubiläum 

Selbsthilfe Multiple Sklerose in Pankow  1997  - 2007

 

Seit 15 Jahren gibt es in unserem Bezirk Selbsthilfegruppen für MS-Betroffene. Es begann im Gemeindehaus der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde Cantianstr. 9. Wir konnten sonntags alle zwei Monate den ganzen Nachmittag mit MS-Betroffenen (auch aus anderen Berliner Stadtbezirken) verbringen und wurden von Mitgliedern der Gemeinde bestens versorgt (bis heute). Noch im gleichen Jahr fand sich eine kleine Gruppe Betroffener aus dem Stadtbezirk donnerstags monatlich zusammen.

 

Die Gruppe wuchs und wurde größer, so daß wir in Schwierigkeiten kamen, als die Gemeinde Anfang 1997 ihr altes Haus abriß und später mit dem Neubau begann. Viele Monate nahm uns die behindertengerechte Selbsthilfekontaktstelle des Humanistischen Verbandes auf- bis auch sie geschlossen wurde.  Wir fanden in einem Pflegeheim Unterschlupf. Endlich aber konnten wir 1998  in die Cantianstr. zurückkehren, in schönere Räume, als wir sie bis dahin hatten.

 

Die Gruppe platzte aus allen Nähten, weil auch viele Pankower in die Cantianstr. kamen. Also sahen wir uns um, wo es einen Raum in Pankow gab für eine neue MS-Gruppe. Fr. Dr. Grunwald, damals Bezirksbürgermeisterin in Pankow, hat  uns bei der Raumsuche unterstützt. Wir kamen mit einem Frauentreff in Kontakt und konnten uns am  5. November 1997 zu unserer ersten Gruppenstunde in der „Amalie“, Breite Str. 2 treffen (mit Rampe für Rollis). Frau Baensch, damals verantwortlich für diesen Treffpunkt, sorgte dafür, daß wir uns wohl fühlten. In kuzer Zeit gelang es, eine Toilette behindertengerecht umbauen zu lassen. Genau 9 Jahre war die „Amalie“ der Ort, an dem wir uns jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat trafen. Und wir fühlten uns sehr wohl dort, trotz des ständigen Wechsels  der Mitarbeiter (ABM). Einige Gruppenmitglieder gibt es, die bis heute nicht nur nach Pankow kommen, sondern auch donnerstags in die Gruppe Prenzlauer Berg fahren. Wir sind einfach nicht zu trennen.

 

Im November 2006 standen wir wieder einmal auf der Straße ohne Bleibe, der Frauentreff wurde geschlossen. Es war kraftraubend, nach Räumen im Bezirk zu suchen, die unsere lebensnotwendigen Anforderungen erfüllten. Aber es gab ja das Gemeindehaus in der Cantianstr. Dort konnten wir unsere Gruppenstunden  mittwochs haben. Ein gutes Wissen ist es, daß wir dorthin immer wieder kommen können, wenn es einmal Raumnot geben sollte.

Und nun sind wir im zehnten Jahr unseres Bestehens im „DOMICIL“ angekommen. Ein  freundlicher Raum steht uns zur Verfügung und wir konnten sogar unseren gewohnten Mittwoch beibehalten. Das macht uns froh und wir fühlen uns wohl. Wie in der Amalie, finden wir auch hier Getränke und einen gedeckten Tisch vor zur Gruppenstunde. Schön, daß wir so nett aufgenommen wurden.

 

Seit Beginn unserer Selbsthilfearbeit war uns die Information der Öffentlichkeit ein wichtiges Anliegen in den Gruppen. So sind wir jedes Jahr bei vielen Kiezfesten mit einem Infostand vor Ort, um Neubetroffenen und Interessierten zu sagen, wie wir mit MS leben. Und nicht nur mit „Papier“ stehen wir am Stand. Wir haben mancherlei Angebote an selbstgezüchteten Pflanzen und Bastelarbeiten. Das ist bis heute gut angenommen bei den Menschen, die uns aufsuchen.

 

Höhepunkte in unserem Gruppenleben waren außer Infoständen auch Kurzreisen, die wir in einigen Jahren machen konnten. So war es uns mehrmals  möglich, durch finanzielle Unterstützung der Cajewitzstiftung, eine Fahrt nach  Trebel/Niedersachsen für 3 Tage bezahlen zu können. Wir sind dankbar, daß manche Spende aus anderer Hand uns half, Schönes mit der Gruppe zu  erleben. Dazu zählen auch Fahrten, zu denen uns der Frauentreff in der „Amalie“ eingeladen hatte: eine Tagesfahrt nach Wörlitz, ein Tag in Spitzmühle am Bötzsee, das Erleben  der Boltenmühle u.a.  Wie gemütlich Lichterfahrten sein können, wissen wir nun auch dank der Einladung dazu.

 

Traurig macht uns, daß wir in den 10 Jahren Abschied nehmen mußten von Menschen, die zu uns gehörten: Wolfgang verstarb kurz nach einer gemeinsamen Fahrt im April 1998. Er war bis dahin unser Schatzmeister.

Kurt, der nur kurze Zeit bei uns war, trat mitten im Sommer seine letzte Reise an und Eva sahen wir bis 2002 in der Gruppe, ihr Leben wurde plötzlich beendet. Gudrun, die schon seit 1993 zu uns gehörte, mußte 2003 Berlin verlassen und erhielt in Nähe zu ihrer Tochter die letzte Pflege. Wir denken gern an manches gemeinsame Erleben mit diesen Menschen. Ihr Dasein hat unsere Gruppe bereichert. So wird es immer wieder ein Kommen und Gehen unter uns sein. Heute aber erfreuen wir uns aneinander und versuchen, gegenseitig Hilfe und Stütze zu sein, solange wir uns haben.

                                                                                                                                                           


Bilder zur Gruppengeschichte

· Letzte Änderung am 30. März 2008 ·